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Beiratssitzung des Landesverbandes Bayern

Beiratssitzung des Landesverbandes Bayern unter dem Moto: „Wir reden über uns – die Suchtselbsthilfegruppe im Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen“

Die Beiratssitzung des Landesverbandes Bayern fand vom 28.11. bis 30.11.2025 in Reimlingen statt.

Sie unterschied sich deutlich von den bisherigen „Erweiterten Vorstandssitzungen“. In diesem Jahr wurden nicht nur Tagesordnungspunkte „abgearbeitet“, sondern in einem neuen Format wichtige Themenpunkte behandelt.

In einer ganztägigen Supervision unter Leitung von Martina Toppe wurden folgende Fragen reflektiert:

• Was zeichnet unsere Freundeskreise aus und warum sind wir mit dabei?
• Welche Zukunftsvisionen gibt es aus unserer Sicht für die Freundeskreise?
• Wie können wir Mitglieder für ein Engagement im Freundeskreis überzeugen?

Die Themenbereiche wurden in mehreren Gruppen erarbeitet. Die Ergebnisse und mögliche Lösungswege wurden anschließend – durchaus kontrovers und selbstkritisch – diskutiert.

Ein wichtiges Ergebnis der Arbeiten war eine stärkere Öffnung unsere Freundeskreise für jüngere Personengruppen:

Derzeit ist das „klassische“ Freundeskreis-Mitglied in der Regel zwischen 40 und 50 Jahre alt, männlich und zumeist in ein gesichertes soziales Umfeld eingebunden. Häufig besteht der Wunsch (oder die Notwendigkeit), ein Leben in zufriedener Abstinenz zu führen.

Viele Menschen – besonders jüngere Suchterkrankte und deren Angehörige – weisen jedoch Suchtproblematiken außerhalb des uns am geläufigsten „Alkohol-Problems“ auf. Stichworte hierfür sind „multiple Abhängigkeiten“, „nicht-stoffgebundene Abhängigkeiten“, „Diversität“, „Einsamkeit“ etc.

Sie bewegen sich zudem in einem völlig anderen sozialen Umfeld. Eine dauerhafte Abstinenz schreckt diesen Personenkreis eher ab.Die Angebote der Freundeskreise bzw. weiterer Selbsthilfegruppen erreichen diese Menschen derzeit nur unzureichend oder „passen nicht in deren Lebensumfeld“ (Zitat einer jüngeren suchterkrankten Person).

Um auch bei diesen Menschen – die oftmals dringend Hilfe benötigen – unsere Angebote bekannt zu machen, müssen neue Wege beschritten werden. Beispiele hierfür sind eine stärkere Präsenz in sozialen Medien, Online-Gruppen, „Gruppen ohne Raum“, Frauengruppen, Jugendgruppen usw. Zudem sollte der Präventionsgedanke stärker in den Fokus rücken.

In diesem Zusammenhang soll im kommenden Jahr ein neuer Impuls für die Öffentlichkeitsarbeit gesetzt werden. Die Beiratssitzung beschloss das Filmprojekt „Zurück ins Leben“.

Der professionell erstellte Film-Clip soll durch kurze – und vor allem emotional berührende – Aussagen realer Freundeskreis-Mitglieder neue Zielgruppen erreichen. Er ist sowohl für Social-Media als auch für die Ausstrahlung im Kino geeignet.

Allen Teilnehmern ist bewusst, dass neue Wege auch neue Arbeit für die Gruppen bedeuten. Wir möchten daher die Mitglieder motivieren, sich stärker im Ehrenamt zu engagieren.

Auf der anderen Seite ist eine Entlastung der regionalen Vereine und Gruppen notwendig, damit sie sich vorrangig auf die Suchtarbeit konzentrieren können. Eine Idee der Beiräte ist die Bündelung administrativer Aufgaben in „Kompetenzzentren“. Diese könnten z. B. im Bereich Buchhaltung oder Gruppenbegleitung eingerichtet werden.

Zudem wollen wir versuchen, Know-how-Potenziale in den Gruppen zu finden. Wir sind überzeugt, dass in vielen Gruppen Fachwissen vorhanden ist, das uns in der täglichen Arbeit und der Weiterentwicklung der Freundeskreise eine große Hilfe sein kann.

Im Rahmen der Beiratssitzung wurden weitere Punkte beschlossen:

Bis Ende 2026 sollen „risikoreiche Bankverbindungen“, wie sie häufig bei nicht eingetragenen Vereinen bzw. regionalen Freundeskreis-Gruppen bestehen, beendet werden.

Für die regionalen Freundeskreis-Gruppen werden stattdessen Unterkonten unter dem Dach des Landesverbandes bei der Evangelischen Bank eröffnet. Dadurch können unnötige Haftungs- und rechtliche Risiken reduziert werden.

Auch von der Führung von Barkassen wurde den Gruppen dringend abgeraten. Häufig werden nur unzureichende Aufzeichnungen über die Mittelverwendung geführt bzw. keine Belege aufbewahrt. Dies kann zu unangenehmen Rückfragen der Finanzämter führen und untergräbt die Integrität der Buchhaltung des Landesverbandes.

Um ein einheitliches Auftreten der Freundeskreise in der Öffentlichkeit zu gewährleisten, wurde beschlossen, ab sofort Flyer und Publikationen ausschließlich im neuen Layout zu verwenden. Mittels dieser „Cooperative Identity“ (Mitgliederidentität) soll der Wiedererkennungswert der Freundeskreise im Außenbild gestärkt werden.

Zusammengefasst war die Beiratssitzung intensiv und produktiv. Die gemeinsam erarbeiteten Beschlüsse, Vorschläge und Anregungen bilden eine hervorragende Grundlage für das Jahresthema 2026: „Wir reden über uns – die Suchtselbsthilfegruppe als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen“

Selbsthilfe ist wahrlich mehr als im Kreis sitzen und reden!